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Mehr als ein halbes Jahrhundert hinter mir

Die 50er-Marke hatte ich schon hinter mir gelassen. Meine mittlerweile erwachsene Tochter lebte mit ihrer eigenen Familie in der Schweiz, ich im Südwesten Deutschlands. Wieder einmal war ein Lehr- und Trainingsauftrag kurz vor dem Projektende, eine Fortsetzung oder Neubeauftragung war terminlich nicht abzusehen. Die Kleinaufträge, die sporadisch hereinkamen, würden mich wohl eher schlecht als recht über Wasser halten. Nachdenken über das „Wie-weiter und Wohin“ war also angesagt.

Beruflich noch einmal neu anfangen und das in einem anderen Land?

Das war mein Ziel: ein Neustart mit nachhaltigen Perspektiven. Und so suchte ich mir Arbeit in der Schweiz. Allerdings tat ich etwas, von dem ich Anderen immer abrate – ich nahm den erstbesten Job, den ich in Aussicht hatte. Frei nach dem Motto: „Der Spatz in der Hand ist mehr als die Taube auf dem Dach.“ Der Spatz und ich wurden jedoch nicht die besten Freunde. Und als er wegflog (oder als ich ihn verscheuchte?) lernte ich „Jobsuche mit 50+“ intensiv kennen. Besonders, dass einige meiner Qualifikationen hier in der Schweiz nicht den Anforderungen entsprachen, überraschte mich. So absolvierte ich SVEB1, um endlich wieder in die Erwachsenenbildung einsteigen zu können. Unzweifelhaft habe ich viel gelernt und kann diesen Kurs, den ich an der KV Baden durchlief, wärmstens empfehlen. Und siehe da: Nach der gefühlt elfundneunzigsten Bewerbung entschied sich ein „Bildungsträger“ dafür, mit mir im Mandatsverhältnis als Kursleiterin und Coach zusammenzuarbeiten. Eine gute Basis, um zeitlich parallel das Coaching aufzubauen. Weitere Lehraufträge als Dozentin und anderes kamen und kommen hinzu. Und mehr als eine Überlegung wartet darauf, von der Idee in die Tat umgesetzt zu werden.

Dass ich Monate gebraucht habe, um einen Job bzw. regelmäßige Aufträge zu finden, liegt sicher auch an meinem Alter. Mit 50+ reißen sich nur wenige Arbeitgeber um einen. Vermutlich, weil sie davon ausgehen, mit 50 wäre eine Arbeitskraft nicht mehr dynamisch, flexibel oder kreativ genug, dafür aber teuer. Aber ich kann allen Arbeitgebern versichern: So kreativ, motiviert, geistig und zeitlich flexibel, dazu mit so vielseitigem Knowhow & Erfahrungen war ich mit 25 nicht ausgestattet – jetzt habe und bin ich es! Das ist unbezahlbar.

50 hat Stärken!

Warum? Ich habe fast 40 Arbeitsjahre in verschiedenen Berufen und noch verschiedeneren Arbeitsumfeldern hinter mir. Ich habe gelernt, dass auch nach gefühlten und realen Katastrophen und Lebenskrisen sich immer wieder neue Wege, Türen und Perspektiven auftun. Also bin ich viel gelassener und voller Zuversicht (wer mag, darf dies auch „Urvertrauen“ oder „Gottvertrauen“ nennen).

Was noch? Meine Tochter ist längst erwachsen und als Grossi bin ich nicht in der alltäglichen Verantwortung oder der Versorgungsaufgabe.

Ausserdem: Ich weiss, was ich geben kann und will. Und: Jetzt kann ich mich auf das konzentrieren, was mir liegt, was ich gut kann und was mir guttut. Ich bin frei für neue Gedanken und Aufgaben, ich bin ein zufriedener Mensch und genau deswegen eine verlässliche Mitarbeiterin. Ich habe Erfahrungen, die niemand mit Mitte zwanzig haben kann. Das sind Vorteile, die ich gegenüber jüngeren Frauen und Männern habe. Natürlich soll kein Arbeitgeber jetzt nur noch alte Weibsbilder und alte Knacker einstellen. Ist nicht vielmehr ein guter Mix aus Jungen und Erfahren ein Rezept mit hohem Erfolgspotenzial?! Voneinander lernen, sich gegenseitig inspirieren und unterstützen, miteinander Ziele erreichen und nachhaltige Erfolge schaffen … Glücklicherweise erkennen immer mehr Arbeitgeber, dass dies ein guter Weg ist. Ausserdem: Wie sonst sollen wir bis Mitte oder gar Ende 60 „in Arbeit“ bleiben? Und: Ist nicht Arbeit letztlich viel mehr als Geld verdienen?

Mut zur Positionierung

Auch dies muss gesagt sein: All Ihr erfahrenen Berufsleute – formuliert klar, was Ihr könnt und bietet! Wir sind keine Bettler, sondern kompetente und hoch motivierte Menschen, die vieles zu geben haben und dies sehr gern tun. Und bitte seid auch bereit, zu lernen und neue Erfahrungen zu machen. Immerhin, wenn alles gut läuft – also ich möchte schon gern noch zehn, zwanzig Jahre etwas leisten. Sicher nicht mehr zehn und vierzehn Stunden am Tag aber zum nachhaltigen Gewinn für all jene, die mit mir zusammenarbeiten – und für mich selbst. Und was sollte mich davon abhalten, immer wieder auch neue Wege zu gehen?